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Hinweise:
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Die Raumdarstellung bildet eine der grundlegenden Komponenten der fiktionalen Wirklichkeitsdarstellung. Raum ist in literarischen Texten nicht nur die Voraussetzung für Handlung, sondern stets auch Bedeutungsträger. Kulturell vorherrschende Normen, moralische Werte, kursierende Vorstellungen von Zentralität und Marginalität, von Eigenem und Fremdem, erfahren im Raum eine konkret anschauliche Manifestation. Die literarische Wahrnehmung und Nutzung von Räumen, Grenzziehungen zwischen Eigenem und Fremdem sowie die Zuweisung von Domänen basieren zwangsläufig auf kulturell dominanten Wissensordnungen. Solche kulturell semantisierten und subjektiv erlebten Räume der Literatur sind weder statisch noch fungieren sie als bloß ornamentale Kulisse der Handlung. Als soziale Konstrukte unterliegen sie vielmehr einem vielschichtigen kulturellen Verhandlungsprozess sowie der Dynamik (inter-)kultureller Beziehungen, die die Veränderbarkeit der Semantik von Räumen nicht nur ermöglichen, sondern sogar herausfordern. Räume können daher dynamische Neuordnungen, Neubewertungen und Transformationen erfahren, in der individuelle und kulturelle Veränderungen metonymisch zum Ausdruck gelangen.
Umgekehrt kann die Bewegung im Raum, vor allem die Überschreitung von Grenzen, Freiräume des Erlebens bzw. Handelns eröffnen und Neuverhandlungen des individuellen und kulturellen Selbstverständnisses, überkommener Werte und Normen initiieren. Die im Raum der Fiktion modellhaft vorgenommenen Grenzüberschreitungen, Erkundungen neuer Räume sowie innovativen Territorialisierungen setzen eine Dynamisierung etablierter Wissensformen und kultureller Codes in Gang. Solche literarischen Imaginationen vermögen auf außertextuelle Raumkonzepte zurückzuwirken und kulturell vorherrschende Vorstellungen von Räumen aktiv mitzuprägen. Als kulturelles Medium kann Literatur nicht zuletzt selbst in ‚Bewegung geraten‘ und kulturelle bzw. nationale Grenzen passieren. Durch kreative Aneignungs- und lokale Übersetzungsprozesse kann Literatur neues Wissen hervorbringen, ein Vorgang, der Vorstellungen von Kulturen als in sich geschlossene, territorial, ethnisch oder national definierte Gebilde obsolet werden lässt.
Ziel der Tagung (und eines darauf aufbauenden Sammelbandes) ist, literarische Raumdarstellungen systematisch zu kartographieren und bislang eher statisch konzipierten Raummodellen dynamische Konzepte entgegenzustellen, die von der kulturellen Konstruktivität von Räumen und Grenzen ausgehen. Welche ästhetischen Strategien nutzen literarische Texte, um der kollektiven Imagination wirkmächtige Vorstellungen von sozialen Räumen einzuschreiben? Und welche Rückschlüsse lassen Bedeutungs- und Funktionsverschiebungen von Raumdarstellungen, Grenzen und Landschaftsschilderungen auf kultur- und mentalitätsgeschichtliche Wirklichkeitsmodelle zu? Im Zentrum eines solchen dynamischen, kontextorientierten Raumkonzepts stehen Leitbegriffe wie ‚Grenzüberschreitung’ bzw. ‚Transgression’, ‚Liminalität‘, cognitive mapping, ‚Chronotopos‘, ‚Territorialisierung‘, ‚Translokalität’, ‚Zentrum vs. Peripherie‘, ‚Erinnerungsräume‘, ‚Räume des Dritten‘ sowie ‚Heterotopien‘.
Die Tagung wird in Kooperation des GCSC mit dem IPP "Literatur- und Kulturwissenschaft" organisiert. Zu den Vortragenden zählen neben DoktorandInnen, PostdoktorandInnen und Principal Investigators des GCSC und IPP die Keynote-Speakers Dr. Doris Bachmann-Medick, Prof. Dr. Ottmar Ette und Dr. Michael Frank. Gäste sind herzlich willkommen.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Dr. Birgit Neumann (Birgit.Neumann@anglistik.uni-giessen.de)
Prof. Dr. Wolfgang Hallet (Wolfgang.Hallet@anglistik.uni-giessen.de)
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